"Musik ohne Bordun ist wie ein Schiff ohne Steuermann."

Indisches Sprichwort

Bordun - was ist das?

Mit dem Wort „Bordun“ wird ein ununterbrochener sowie unveränderlicher Ton beschrieben, der einem Musikstück zugrunde liegt. Harmonische Abweichungen von diesem Bordunton sind möglich, erzeugen jedoch eine bewusst gewollte Spannung, die für viele eben den Reiz der Bordunmusik ausmacht.

 

Borduninstrumente gibt es in verschiedenen Formen auf der ganzen Welt, wobei zwischen Instrumenten zu unterscheiden ist, die nur Borduntöne von sich geben können, und solchen, die auch eine Melodie dazu spielen können. Beispiele für die erste Gruppe wären das weithin bekannt Didgeridoo der australischen Ureinwohner, bei dem es sich um eine Borduntrompete handelt, oder aber auch die indische Tampura, eine Bordunlaute ohne Griffbrett oder Bünde. In die zweite Gruppe fallen die meisten Sackpfeifen, die Drehleier sowie alle weiteren Instrumente, die in ihrer Konstruktion Elemente (Bordunpfeifen oder –saiten) aufweisen, die ausschließlich zur Produktion eines Borduns geeignet sind. Andere Instrumente können natürlich als „unechte“ Borduninstrumente verwendet werden, beispielsweise die Violine.

 

Geschichtlich betrachtet hat der Bordun zu unterschiedlichen Zeiten ebenso unterschiedliche Stellungen genossen. So waren etwa weder Rohrblatt- noch Saiteninstrumente der Antike speziell darauf ausgerichtet, Borduntöne zu produzieren – erst im Hochmittelalter scheint eine gezielte Herausbildung des Borduns als Instrumentenmerkmal geschehen zu sein. So sind weite Teile der Gregorianik wohl ursprünglich über weite Strecken mit Bordununterlegung (entweder durch Sänger oder Instrumente) begleitet worden. Diese Interpretation verschwand mit der aufkommenden Mehrstimmigkeit der Renaissance im Westen Europas allmählich, blieb aber in den östlichen Kirchenriten stellenweise bis heute erhalten.

 

Eine kurze Phase der Wiedergeburt erlebte der Bordun mit seinen zugehörigen Instrumenten im Zug der Schäfermode des Hochbarock, als sich die europäischen Höfe zunehmend der stilisierten Inszenierung bäuerlicher Lebensart widmeten und dafür auch musikalische Elemente des Landlebens übernahmen. Ein spätes Beispiel dieser Strömung mag die „Bauernhochzeit“ Leopold Mozarts sein, in der zum Kammerorchester auch Dudelsack und Drehleier treten.

 

Im 19. Jahrhundert war der Bordun als musikalische Ausdrucksmöglichkeit kaum noch gefragt – die Dudelsäcke verschwanden, die Bordunsaiten der Zither wurden zu Akkordsaiten umfunktioniert, und zuletzt schied um 1900 auch der letzte österreichische Drehleierspieler von der Bühne. Der Bordun und die Borduninstrumente blieben in den folgenden Jahrzehnten eine Randerscheinung in ethnografischen und musikwissenschaftlichen Publikationen. Es sollte bis in die 1970er dauern, bis im deutschen Sprachraum Borduninstrumente wieder eine Rolle zu spielen begannen.

 

Seit dem Jahr 1989 gibt es nun auch in Österreich wieder Veranstaltungen mit dem Schwerpunkt Bordunmusik: Festivals, Spielkurse und Seminare konnten eine Bordunmusikerszene hervorgehen, die sich mittlerweile im dreistelligen Bereich eingependelt hat. Jährlich finden vier große Spielkurse statt, auf denen man sich immer wieder über Neuanfänger freut.

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© Sonja & Michael Vereno